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Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
vorausgesetzt man hat die Mittel.

Wilhelm Busch (1832 - 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Quelle: Busch »Bildergeschichten. Maler Klecksel«, 1884

Der Kauf

» So sahen unsere Reisen bisher aus
» Unsere Gründe für ein Wohnmobil
» Jetzt wird es ernst
» Warten auf das Wohnmobil
» Die Übergabe

Hinfahrt in zwei Etappen

Unsere Urlaube waren in den letzten Jahren dadurch geprägt, dass wir zum Jahresende überlegten, welches Ziel wir im folgenden Jahr ansteuern wollten. Anschließend wurden im Internet die Suchmaschinen mit der Suche nach einem bezahlbaren Haus, in dem Hunde und Kinder willkommen sind zum glühen gebracht. Dabei stellten wir oftmals fest, dass die schönen und bezahlbaren Häuser schon von anderen Urlaubern direkt wieder für den folgenden Urlaub reserviert wurden.Trotzdem hatten wir immer Glück und fanden etwas passendes. Die Buchungsbestätigungen wurden anschließend für alle sichtbar an die Kühlschranktür gehängt. So konnte sie jeder sehen und sich auf den nächsten Urlaub freuen.
Die Fahrten zu den Häusern selber waren dann durch lange Strecken und Fahrzeiten geprägt, häufig mit etwas Termindruck, wenn vielleicht noch eine gebuchte Fähre erreicht werden musste. Unsere Urlaube waren alle große Klasse und auch die Fahrten gehörten schon zum Urlaubsabenteuer. Hartgekochte Eier und Brötchen, die mit jeden Kilometer weiter von der Backstube weicher wurden gehörten genauso dazu, wie die frischen Schokocroissants an einer französischen Raststätte oder das erste "Gelato" in Italien. Komischerweise dauerten die Hinfahrten aber immer länger, als die Rückfahrten.

Vollgepacktes Auto
Unser vollgepacktes Auto

Mit den zunehmenden Jahren stellten wir mehr und mehr fest, dass uns die Nachtfahrten immer mehr zusetzten und wir beneideten die Wohnmobilfahrer auf den Rastplätzen, die ihre gemütlichen Schlafmöglichkeiten immer dabei hatten. Aber in den Urlaub fliegen kam für uns so wirklich nie in Frage. Für Familien mit drei Kindern gab es so gut wie keine vernünftigen Angebote. Wenn, dann waren sie auf Familien mit maximal zwei Kindern ausgerichtet, und eigentlich wollten wir auch gar nicht in Hotels oder großen Ferienanlagen wohnen. Als dann später auch noch unsere Hunde dazu kamen, schlossen wir Fliegen noch mehr aus. Einen Transport der Hunde in Boxen während eines Fluges war für uns absolut ausgeschlossen. Wie sollen wir dieses Trauma den Tieren erklären? Von den zusätzlichen Kosten mal abgesehen.
Der Vorteil mit dem eigenen Wagen am jewiligen Urlaubsort war natürlich auch die Flexibelität, außerdem sahen wir durch den Zwang zur Selbstversorgung immer sehr viel von Land und Leute und lernten auch ein wenig von den jeweiligen Sprachen. Ein freundlicher Gruß beim Bäcker, oder ein "Danke schön" und ein "Bitte" gehören einfach zu einem höflichen Benehmen als Gast dazu. Ich erinnere mich nur ungern an den deutschen Touristen in der schwedischen Tourist-Information, der sich unglaublich darüber aufregte, dass dort kein Deutsch gesprochen wurde. Herausfordernd war auch das ältere Ehepaar, dass uns das Haus in der Toskana vermietete. Wir konnten kein Italienisch und die sprachen kein Englisch. Trotzdem bekamen wir die Waschmaschine und alles andere im Haus mit Händen und Füßen erklärt.
Nun sind unsere Kinder groß und das Interesse mit uns in den Urlaub zu fahren wird immer geringer. Das bedeutet für uns aber auch, dass wir kein riesiges Wohnmobil für die gesamte Familie mehr benötigen würden. Es könnte also bezahlbarer werden.
Die vage Idee, Urlaub mit einem Wohnmobil zu machen war also schon da.
Darum wurde der Gedanke, dann mal mit einem gemieteten Wohnmobil Urlaub zu machen aufgegriffen und versucht mit Leben zu befüllen. Der Gedanke war sogar so nah, dass wir vor zwei Jahren unseren Urlaub danach planen wollten. Bis wir die Preise für Mietmobile in der Hauptsaison sahen. Uns traf der Schlag. Selbst mit ADAC-Clubvorteil und was es sonst noch alles gibt, hätten wir für das Wohnmobil genauso viel bezahlen sollen, wie für ein Ferienhaus. Dazu kämen dann aber auch noch die Camping- und Stellplatzgebühren. Na gut, dann eben nicht...

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Unsere Gründe für ein Wohnmobil

Der Wunsch nach einem Wohnmobil ist dadurch aber nicht geringer geworden. Immer wieder fanden wir Gründe im Alltag, die diesen Wunsch sogar noch größer werden ließen.
So fahren wir öfters mal in die
Niederlande ans Meer. Von unserem Wohnort sind es keine 200 km bis zum Strand. Einige Stunden am Strand spazieren gehen, das Meeresrauschen zu genießen und den Wind um die Nase wehen zu lassen ist einfach schön.

Am Strand
Am Strand

Dazu ein leckeres frisches Fischbrötchen auf die Hand. Auch unser Hund genießt die Ausflüge, weil er dort Schwimmen kann und wir ihm stundenlang einen Ball zum aportieren werfen. Von Oktober bis April haben Hunde keinerlei Einschränkungen zu befürchten und können sich austoben. Außerdem kostet der Strand keinerlei Gebühren oder Kurtaxe, wie es in Deutschland üblich ist - wenn man von den niederländischen Parkgebühren mal absieht. Leider ist in der Nebensaison aber auch das Wetter nicht so stabil. So kam es, wie es kommen musste, uns erwischte ein sehr starker und eiskalter Regenschauer am Strand und es gab natürlich keine Möglichkeit zum unterstellen. Aber wir hatten ja Wechselkleidung dabei. Das Umziehen im kalten Auto war wirklich kein Vergnügen. Wenn wir jetzt ein Wohnmobil hätten...! Wir hätten genug Platz zum umziehen und keiner kann uns durch die Autofenster beobachten. Schon die Fahrten könnten viel entspannter sein. Da ich gerne morgens Kaffee trinke, kann es auch schon mal passieren - eigentlich passiert es immer - das ich nach kurzer Fahrt einen Toilettenstopp einlegen muss. Im Wohnmobil hätten wir eine eigene Toilette... Ach ja, das wäre schön!
Seit einigen Jahren ist das Geocaching eines unserer gemeinsamen Hobbies. Inzwischen haben wir in der näheren Umgebung alles abgegrast und für weitere Erfolgserlebnisse müssen wir den Suchradius immer größer ziehen. Wir mögen auch die Variante Wandercaches zu suchen. Wie bei einer Schnitzeljagd muss man verschiedene Orte per GPS-Koordinate anlaufen um vor Ort eine kleine Aufgabe für die nächste Koordinate zu lösen, bis man dann irgendwann am Ziel ist. Einige sind so angelegt, dass sie einem über schöne Wanderstrecken führen. Sogar einige Urlaubsgebiete werben inzwischen für ihre offizielen Wanderrouten damit. Wie toll wäre es da, ein Wohnmobil zu haben, mit dem man spontan, wenn der Wetterbericht es zulässt, mal ein Wochenende irgendwohin zum Wandern und Suchen fahren kann? Ein Wohnmobil als Basislager also.
Wir haben uns über die Jahre immer häufiger mit den Gedanken an ein Wohnmobil auseinander gesetzt und träumten davon, spätestens mit Renteneintritt diesen Traum zu verwirklichen.
Bei mir bewirkten einige Erlebnisse einen weiteren Sinneswandel, so dass ich diesen Traum doch nicht mehr so lange aufschieben wollte. Bis zu einem so fernen Ziel kann einfach zu viel passieren und unseren Traum für immer ein Traum bleiben lassen. Das waren Ereignisse, wie schwere unverschuldete Verkehrsunfälle im Bekanntenkreis, schwere Erkrankungen von Arbeitskollegen oder ein schwerer Schlaganfall im Verwandtenkreis, der einem plötzlich kurz nach Renteneintritt aus dem Leben reißt. Auch lernte ich bei anderen, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. ICH wollte also diesen Traum immer öfter und schnellsmöglich verwirklichen.
Aber bisher sprachen immer die Vernunft und die finanziellen Möglichkeiten dagegen. Dabei ist die Vernunft Auslegungssache, aber das fehlende Geld lässt sich nunmal nicht weg diskutieren.

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Jetzt wird es ernst

Im letzten Jahr griffen wir die Diskussion dann doch noch mal intensiver auf und es wurde tatsächlich konkret.
Das Jahr begann damit, dass ich immer mal wieder, wenn ich Zeit hatte, im Internet auf den einschlägigen Fahrzeugportalen nach Wohnmobilen suchte. Ich schaute mir Bilder an, las Beschreibungen über Interior und Exterior und wenn etwas interessantes dabei war, schickte ich den Link an meine Frau. Die Antworteten kannte ich schon immer im voraus, denn sie hatte ja Recht. Es war einfach zu teuer. Aber es gab mir einfach mal eine Übersicht vom Markt. Vielleicht ließ sich ja doch mal ein absolutes Schnäppchen entdecken, zu dem auch meine Frau nicht nein sagen konnte. Aber das Rentnerehepaar, dass aufgrund Hobbyaufgabe ein Wohnmobil zu verschenken hatte inserierte einfach nicht.
Den Sommerurlaub verbrachten wir dann mal wieder in einem Ferienhaus, dieses Jahr in Spanien. Das war die längste Anfahrt, die wir jemals hatten. Frühmorgens auf einem Rastplatz in Frankreich standen Wohnmobile und Wohnwagen, in denen gemütlich ausgeruht wurde, während wir bereits von der Nachtfahrt fertig waren. Die letzten zweihundert Kilometer waren die Hölle und trotz zum Schluß stündlichen Fahrerwechsels war die Erschöpfung riesengroß. Wo war bloss meine Ausdauer geblieben? Sowohl das Haus und der Urlaub waren ein Traum. Nur war der Familienurlaub nicht wirklich ein Familienurlaub. Unsere Kinder waren überwiegend in ihre Zimmer und surften im Internet oder lasen Bücher. Dafür hätten die doch auch zu Hause bleiben können...
Während wir auf der Hinfahrt schon merkwürdige Fahrgeräusche an unserem Familienwagen feststellten, wurde es auf der Rückfahrt richtig übel. Die Angst, dass unser vollgepacktes Auto mit Kindern, Hunden, Dachbox und Fahrraddachträger unterwegs aufgeben könnte, war riesengroß. Wir redeten unserem bisher treuen Familienwagen gut zu und schwitzten nicht nur wegen der Sommerhitze. Wir erreichten die Grenze nach Deutschland und atmeten erst einmal vorsichtig durch. Auch die letzten Kilometer nach Hause schafften wir dann noch. Puuh!
Ein paar Tage später fuhr ich dann mal zur Vetragswerkstatt, nachdem ich im Internet zwar Hinweise auf die Ursache gefunden hatte, die ich aber nicht glauben wollte. Leider bestätigte der Werkstattmeister die schlimmste der möglichen Vermutungen. Getriebschaden. Reperatur kann bis zu 2500,- Euro kosten. Wow. Ich versuchte noch über einige andere und freie Werkstätten Angebote zu erhalten, die dann zwar günstiger waren, aber es blieb trotzdem teuer. Teuer für einen Schaden, der laut Internetforen darauf zurückzuführen sein soll, dass das Getriebe für dieses Fahrzeug werkseitig wohl zu schwach ausgelegt ist. Auch einige Arbeitskollegen berichteten von solchen Erfahrungen. Die magische Grenze des Getriebes soll dabei zwischen 65.000 km und 130.000 km liegen. Ja, da waren wir drin.
Die Erkenntnis, dass wir eigentlich so ein großes Familienfahrzeug nicht mehr benötigen werden, denn das erste unserer Kinder hat den Schritt in die eigene Selbständigkeit gewagt und mit den anderen in den Urlaub zu fahren, damit sie dort in ihren Zimmern lesen oder im Internet surfen auch eigentlich keinen Sinn macht, dazu die Investition in eine teure Reparatur ließen uns nach Alternativen suchen. Ein alltagstauglicher Zweitwagen war vorhanden. Warum suchen wir dann nicht einfach nach einem Wohnmobil?
Für uns kamen aber dadurch neue Fragen auf. Lassen wir unser Familienfahrzeug reparieren, oder versuchen wir es defekt zu verkaufen? Wie soll unser Wohnmobil aussehen? Bisher haben wir nur unspezifisch geschaut, ohne uns wirklich Gedanken um den neuen Familienzuwachs zu machen.
Die erste Frage war recht schnell geklärt. Egal wen wir fragten, alle rieten uns, das Fahrzeug repariert zu verkaufen. Leider brachte die Reparatur nicht das erwünschte Ergebnis, denn die Fahrgeräusche des Getriebes waren immer noch vorhanden. Mit diesen Hinweis inserierten wir unseren Wagen auch im Internet. Repariert, aber noch mit Fahrgeräuschen. Das Veto kam direkt vom Betreiber des Verkaufsportals. Die Anzeige wurde gesperrt und wir mussten den Wagen als "Defekt" deklarieren. Eine Preisvorstellung hatten wir aufgrund der Wertangabe aus der Schwackeliste.
Eine der Werkstätten, wo wir wegen der Reparatur anfragten hätte sogar den Wagen gekauft, leider passte sein Vorschlag nicht zu meinen Vorstellungen. "Keine Klimaanlage, die ausstehende Reparatur...", da war für mich kein verhandelbarer Spielraum. Wir versuchten unser Glück weiterhin im Internet. Zeitgleich suchten wir für uns ein Fahrzeug. Während wir anfänglich von einer gemütlich, kuscheligen Schlafhöhle im Alkoven träumten, verstärkten wir nach und nach unsere Suche nach einem teilintegrierten Wohnmobil. Man wird halt nicht jünger! Endlich war es soweit. Wir hatten drei Wohnmobile entdeckt, die uns gefielen. Ich schaute mir die Standorte auf einer Karte im Internet an und überlegte mir eine Route, wie wir sie am besten zum Besichtigen anfahren können. Mir gelang es, unsere Favoriten so in diese günstigste Strecke einzufügen, dass wir diese als erstes anfahren konnten. Eine eigentliche Kaufabsicht hatten wir zwar immer noch nicht, aber schlossen es auch nicht aus. Das erste Wohnmobil auf einem Renault-Basisfahrzeug stand bei einem Autohändler für hochwertige PKW ohne Markenbindung. Dort standen Porsche, Ferrari, BMW, Merzedes um nur einige zu nennen. Und dazwischen das Wohnmobil. Natürlich waren wir nicht standesgemäß angezogen, wir wollten ja nur unverbindlich ein Wohnmobil besichtigen. Entsprechend ließ man uns zappeln, bis man Zeit für uns hatte. Natürlich hatte dann auch noch der verantwortliche Verkäufer frei und man musste sich erst telefonisch Rückversichern. Wieder warteten wir. Das Ergebnis des Telefonats:"Wir verkaufen dieses Fahrzeug nur an gewerbliche Käufer!" Das stand so aber nicht in der Anzeige! Ich war sauer! So was arrogantes habe ich selten erlebt. Wütend fuhren wir weiter. Das nächste Autohaus war eine Zweigstelle eines Gebrauchtwagenhändlers, der sich auf Wohnmobile spezialisiert hatte. Wir bekamen die Fahrzeugschlüssel und durften uns den Wagen anschauen. Der Verkäufer kam nicht mit. Natürlich hatten wir zuerst die falschen Schlüssel. Nach dem das geklärt war, schauten wir endlich das Wohnmobil an. Es war ziemlich ungepflegt. So sehr, dass man es auch mit einer ordentlichen Grundreinigung von innen und aussen nur sehr schwer wieder hinbekommen hätte. Außerdem war das Basisfahrzeug ein Ford. Durch Recherche im Internet und auch durch einen anderen Verkäufer, mit dem ich schon mal telefoniert hatte, erfuhr ich, dass es da große Schwierigkeiten mit dem Motor geben kann. Als wir die Schlüssel wieder zurückgaben, riet uns soger der Verkäufer von diesem Fahrzeug ab! Oh! Das imponierte mir! Wieder ein Reinfall. Das letzte Fahrzeug auf unserer Liste gefiel mir eigentlich nicht, weil der Vorbesitzer durch den Einbau eines einfachen Brettes einen kleinen zusätzlichen Stauraum im Nassraum eingebaut hatte. Baut man es zurück hat man Löcher in den Wänden, die man wieder abdichten muss. Das gefiel mir überhaupt nicht. Aber nach dem die ersten zwei Wohnmobile ein Reinfall waren, wollten wir es aber wenigstens mal anschauen. Bei dem Wohnmobilhändler hatte sofort ein Mitarbeiter mit dem richtigen Schlüssel für uns Zeit. Uns fiel sofort auf, wie gepflegt das Fahrzeug von innen war. Keine Rostspuren oder andere Ablagerungen im Kühlschrank, kein einziger Kratzer in den Möbeln. Es sah super aus. Als der Mitarbeiter merkte, dass ich das mit meiner Frau mal besprechen wollte, bot er sofort an sich mal zurückzuziehen. Kurz gesagt: Es gefiel uns und wir wollten es. Bevor wir auch nur mit der "Preisfrage" anfangen konnte, ging er schon von sich aus runter. Ist da etwa ein Haken? Er zeigte uns noch einige Mängel, die noch beseitigt würden, und auch zu einigen Extras ohne Zusatzkosten sagte er noch ja. Wo ist der verdammte Haken? Aber er könne den Wagen halt nicht reservieren, bis wir uns endgültig entscheiden. Sagen wir jetzt zu und besiegeln den Kauf nach guter alter Sitte mit einem Handschlag oder nicht? Natürlich hat diese Masche funktioniert und wir schlugen ein! Jetzt kamen die ganzen Formalitäten. Personalausweis (habe ich), Kaufvertrag, Vollmacht, damit die das Fahrzeug für uns anmelden können (wir wohnen über 100km entfernt!) usw. Den Abholtermin schoben wir weit nach hinten. Die Fahrzeugaufbereitung würde sich durch die anstehende Caravan-Messe in Düsseldorf etwas verzögern und uns kam es auch entgegen, denn wir mussten ja auch noch unser Fahrzeug verkaufen.

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Warten auf das Wohnmobil

Der späte Übergabetermin war für uns eine vernünftige und logische Entscheidung. Trotzdem konnten wir unsere Ungeduld nur schwer zügeln.
Aber wir mussten ja auch noch unseren Familienwagen verkaufen. Anfänglich lief dieses "Projekt" schleppend an. Bei den wenigen Anfragen wurde so unverschämt wenig Geld angeboten, dass ich glaubte, die wollen uns auf dem Arm nehmen. Wir hatten nur eine einzige private Anfrage. Die Familie kam auch sofort nach dem Telefonat zur Kontaktaufnahme zur Besichtigung. Wir machten eine Probefahrt und wiesen auch auf das Getriebe hin. Sie wirkten erst Hin- und Hergerissen und nach einer kleinen interen Familienkonferenz lehnten sie doch ab. Sie machten nicht ein einziges Mal anstalten, den Preis runterzuhandeln. Die waren einfach zu nett, und hätten unser Auto zu unserem vollen veranschlagten Preis gekauf. Wir waren tatsächlich so froh, dass sie absagten.
Aber damit war unser Problem immer noch nicht gelöst. Dann rief ein Gebrauchtwagenhändler aus Süddeutschland an. Er möchte sich das Fahrzeug auf jeden Fall anschauen. Kann er tun. Da er gerade bei uns in der Gegend andere Fahrzeuge anschauen wollte, kam er dann auch bei uns vorbei. Es folgte eine sehr intensive Begutachtung und eine Probefahrt. Natürlich entdeckte er alles Berechtigte und Unberechtigte, was den Preis in Richtung seiner Preisvorstellung drücken könnte. Was soll ich sagen? Wir wurden uns einig. Ich an meiner untersten Schmerzgrenze und er... . Ich weiss nicht, ob es ihm auch weh tat. Wir verabredeten, dass er den Wagen dann einige Tage später abholen wollte und machte natürlich auch direkt eine Anzahlung. Juchuu, heute Abend bestellen wir Pizza...
Er rief dann am folgenden Tag schon wieder an, ob er den Wagen nicht doch schon früher abholen kann. Blöd, dann schaffe ich es jedenfalls nicht mehr, das Auto vor der Übergabe abzumelden. Er schaffte es mich zu überreden und er machte ja eigentlich auch einen sehr netten Eindruck. Auf der Internetseite des größten deutschen Automobilclubs lud ich mir einen Musterkaufvertrag und Formulare über die Verkaufsanzeige für die eigene Versicherung und den Finanzbehörden runter, die ich mir dann bei der Übergabe noch unterschreiben ließ. Dann war unser schönes Familienauto auch schon weg. Das Auto, dass uns über mehrere Jahre so toll begleitet hat.
Den Rest der Wartezeit bis zur Übernahme unseres neuen Familienmitgliedes überbrückten dann noch mit dem Besuch der Caravanmesse in Düsseldorf. Hier wollten wir ganz viel Informationen und Prospekte sammeln, denn wir sind ja immer noch absolute Anfänger, die sich ziemlich Blauäugig in das Abenteuer Wohnmobil stürzten. Einen anderen Tag fuhren wir zu einem der größten Campinggeschäfte in den Niederlanden, zu
Obelink. Das liegt nicht so weit von uns entfernt. Durch das Internet hatten wir schon eine Idee, was man als Erstaus- rüstung alles benötigt. Der Besuch hier ist fast genauso wie ein Messebesuch. Über mehrere Hallen verteilt bekommt man (fast) alles, was das Camperherz begehrt. Nur einen Espressokocher fanden wir nicht. Für mich als Kaffeetrinker ist das ein absolutes "Must have". Einfacher kann man gar nicht Kaffee auf Gas kochen. Dafür musste dann das Internet herhalten.

Espressokocher
Mein Espressokocher

Außerdem sortierte ich noch Werkzeug aus, um eine kleine Werkzeugkiste für das Wohnmobil zusammenzustellen. Das meisste hatten wir dann nach und nach zusammen. Jetzt fehlte nur noch das Wichtigste - unser Wohnmobil.

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Die Übergabe

Wir freuten uns mit jedem Tag mehr, dem sich unser Übernahmetermin näherte. Mit uns wartete das Bargeld vom Verkauf unseres Familienautos und der Restbetrag auf unserem Konto. Unsere Freude war so groß, dass wir schon die Zugtickets kauften, um gemeinsam zur Übernahme fahren zu können, und was noch wichtiger war, die erste Fahrt gemeinsam im Wohnmobil anschließend nach Hause zu machen.
Dann kam der Anruf. Ungefähr eine Woche vor dem heißersehnten Termin rief uns der Händler an. Wir möchten doch bitte den vereinbahrten Kaufpreis schnellstmöglich überweisen, damit das Wohnmobil rechtzeitig zum Termin Übergabefertig gemacht werden kann. Bitte was? Im Kaufvertrag stand davon nichts. Wenn ich dem nachkäme, würde der Wagen zwar laut Kaufvertrag in mein Eigentum übergehen, aber erst einmal hätte ich weder das Geld noch den Wagen. Was ist, wenn dann zwischenzeitlich von diesem Händler Insolvenzangemeldet wird. Ich hätte mich in einer langen Reihe von Schuldnern einreihen dürfen und wahrscheinlich wäre beides verloren. Wir standen nun aber auch noch vor einem weiteren Problem. Wir müssen erst einmal das Bargeld von unserem Verkauf auf unser Konto einzahlen, um alles überweisen zu können. Bis diese Einzahlung dann auf unserem Konto verfügbar war, vergingen noch einmal zwei Tage (Danke Postbank!), dann überwiesen wir doch trotz aller Zweifel das Geld an den Händler. Bis dann seine Hausbank intern das Geld buchte und die Fahrzeugpapiere frei gab dauerte es auch nochmal. Wir telefonierten mehrfach mit dem Autohaus. Das Ergebnis ließ sich aber nicht ändern. Die Papiere waren zum geplanten Übernahmetermin nicht da, folglich war unser Wohnmobil nicht angemeldet und "Rote Kennzeichen" standen auch nicht zur Verfügung. Der Termin war geplatzt! Ich war erfüllt von Zweifel an die Seriösität und von Wut. Wir hatten das teuere Zugticket umsonst gekauft und der beantragte Urlaub war verloren. Dabei hatten wir es uns so schön ausgemalt. Ärgerlicherweise kam jetzt auch noch dazu, dass unsere Tochter sich für ihren geplanten Wechsel in ein eigenständiges Leben bei ebay-Kleinanzeigen ein Regal gekauft hatte. Und zwar im selben Ort, wo auch unser Wohnmobilhändler ist. Es hätte so schön gepasst - erst die Übernahme des neuen Familienmitglieds und dann direkt das Regal im selben Ort abgeholt. Da wir für das Regal im Wort standen, mussten wir nun trotzdem dorthin fahren. Zum Glück passte das Regal in unserem bisherigen Zweitwagen. Und wo ich nun einmal mit meiner Tochter hier war schlug ich vor, noch einmal beim WoMo-Händler vorbeizuschauen.
Neben vielen Entschuldigungen gab es nun doch noch die Möglichkeit, unser Wohnmobil mit "Roten" Kennzeichen zumindest schon einmal mit zu uns nach Hause zu nehmen. Die unerwartete Übergabe und Einweisung dauerte beinahe zweieinhalb Stunden. Jetzt wurde es aber auch eng, denn ich hatte auch noch einen wichtigen Termin zu Hause. Therotisch hätte ich es schaffen können. Wenn denn nicht immer der berüchtigte Verkehr um Köln herum wäre. Meine Tochter quälte sich hinter mir mit unserem Zweitwagen (zum Glück hat sie schon den Führerschein) von einem Stau zum anderen. Aber wenigstens hatten wir das Wohnmobil. Die versprochene Aussenreinigung war auch nicht durchgeführt worden und meine Tochter entdeckte auf der Rückfahrt einen fehlenden Spritzschuss am rechten Hinterrad. Zu Hause stellte ich dann zusätzlich noch fest, dass bei dem ausgehandelten und montierten Dachträger die Querstreben fehlten. Super!
Für diese "Mängel" vereinbahrten wir noch einmal einen Termin, für den ich einen weiteren Urlaubstag drangeben musste. Allerdings bekamen wir für unsere zusätzlichen Auslagen für das Zugticket und die nun von uns durchzuführende Anmeldung beim Strassenverkehrsamt einen Gutschein für den Händlereigenen Online-Zubehörshop. Den lösten wir dann auch direkt bei unserem Instandsetzungstermin ein, damit nicht da auch noch etwas dazwischen kommt. Mir war es inzwischen auch egal, dass der Händler durch seinen geringeren Einkaufspreis für das Zubehör mit Sicherheit einen geringen finanziellen Vorteil hatte. Ich nahm es auch hin, dass es eigentlich ein "Luxus-Kauf" für Dinge war. Das meisste hatten wir uns ja schon in den Niederlanden bei Obellink gekauft. Uns ging es nur noch darum, diesen mündlichen (!) Gutschein halbwegs sinnvoll und schnell einzulösen. Ich wäre sonst wohl nie auf die Idee gekommen, mir einen kleinen Klapp-Campinggrill zu kaufen.
Nun steht unser Wohnmobil zu Hause und wurde auch schon von Verwandten und Bekannten bestaunt. Wir hoffen, dass wir die Garantiezeit überstehen und wir nichts mehr mit dem Wohnmobilhändler zu tun haben müssen.
Trotzalledem weiss ich nicht, ob ich einfach überzogene Erwartungen und Vorstellungen hatte. Lag vielleicht ein Teil der Schuld für die unglückliche Übergabe bei mir?

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